Start2024-07-10T15:19:07+02:00

Der Name ist Programm

Es gibt Pflanzen mit hübschen Namen. Vergissmeinnicht. Elfenblume. Sternjasmin. Und dann gibt es die Verpiss-Dich-Pflanze. Klingt nach einem schlechten Witz, ist aber eine echte Pflanze, die im Gartencenter steht, ganz offiziell. Ihr bürgerlicher Name ist Plectranthus caninus, manchmal auch Coleus canina genannt. Sie gehört zur Familie der Lippenblütler und stammt ursprünglich aus Ostafrika. Aber mal ehrlich, niemand kauft sie wegen ihrer Herkunft. Die Leute kaufen sie, weil sie Katzen, Hunde, Kaninchen und angeblich auch Marder aus dem Garten vertreiben soll. Ob das wirklich funktioniert, ist eine andere Geschichte. Aber der Reihe nach.

Wie die Pflanze riecht und warum das wichtig ist

Die Verpiss-Dich-Pflanze produziert ätherische Öle, die einen Geruch abgeben, den die meisten Tiere nicht mögen. Für die menschliche Nase ist der Geruch kaum wahrnehmbar, solange du nicht direkt an den Blättern reibst. Dann allerdings wird es unangenehm. Manche beschreiben es als eine Mischung aus Menthol und Skunk. Andere sagen, es riecht wie eine Mischung aus altem Schweiß und Zahnarztpraxis. Appetitlich ist anders. Die Pflanze setzt diesen Duft über ihre Blätter frei, und bei Wärme verstärkt sich das Ganze. Im Hochsommer, wenn die Sonne draufknallt, wird der Geruch intensiver. Genau dann, wenn Nachbars Katze am liebsten durch dein Beet spaziert.

Hilft sie wirklich gegen Katzen

Jetzt wird es ehrlich. Die Meinungen gehen auseinander, und zwar ziemlich weit. Manche Gartenbesitzer schwören auf die Pflanze und sagen, seit sie im Beet steht, kommt keine Katze mehr. Andere berichten, dass die Katze direkt neben der Pflanze liegt und sich genüsslich putzt. Wissenschaftliche Studien, die die Wirksamkeit eindeutig belegen, gibt es nicht. Was es gibt, sind Erfahrungsberichte. Und die zeigen ein gemischtes Bild. Manche Katzen reagieren empfindlich auf den Geruch und machen einen Bogen. Andere interessiert es schlicht nicht. Katzen sind Individuen, und manche sind einfach sturköpfig. Wer eine besonders dreiste Katze im Garten hat, wird mit der Verpiss-Dich-Pflanze allein möglicherweise nicht glücklich.

Und was ist mit Hunden und Mardern

Hunde sollen ebenfalls auf den Geruch reagieren, und tatsächlich scheinen viele Hunde empfindlicher zu sein als Katzen. Wer ein Problem damit hat, dass der Nachbarshund regelmäßig sein Geschäft im Vorgarten erledigt, kann es mit ein paar Pflanzen versuchen. Garantie gibt es keine, aber die Chancen stehen besser als bei Katzen. Bei Mardern wird es schon dünner. Marder sind clever, anpassungsfähig und lassen sich von einer Pflanze nicht so leicht beeindrucken. Wer einen Marder im Dachboden hat, braucht andere Maßnahmen. Die Verpiss-Dich-Pflanze im Blumenkasten vor dem Fenster wird den Marder nicht davon abhalten, nachts über dein Auto zu laufen und die Kabel anzuknabbern. Schön wäre es, aber so einfach ist das leider nicht.

Wo du sie am besten pflanzt

Die Pflanze braucht einen sonnigen bis halbschattigen Standort. Je mehr Sonne, desto intensiver der Geruch, und desto größer die Chance, dass Tiere tatsächlich einen Bogen machen. In schattigen Ecken produziert sie weniger ätherische Öle, und der Effekt lässt nach. Pflanz sie am besten direkt an den Stellen, wo die ungebetenen Gäste auftauchen. Entlang des Beetrands, neben dem Sandkasten, an der Einfahrt. Eine einzelne Pflanze in der Ecke bringt wenig. Du brauchst schon mehrere, im Abstand von etwa einem Meter, damit eine Art Duftbarriere entsteht. Denk daran wie an einen Zaun, nur unsichtbar und geruchsbasiert. Klingt verrückt, kann aber funktionieren. Zumindest bei den empfindlicheren Tieren.

Pflege: Erstaunlich unkompliziert

Die Verpiss-Dich-Pflanze ist keine Diva. Sie mag durchlässigen Boden, verträgt Trockenheit besser als Staunässe und braucht keinen besonderen Dünger. Einmal die Woche gießen reicht in den meisten Fällen, bei großer Hitze etwas öfter. Staunässe ist der größte Feind, denn die Wurzeln faulen schnell, wenn sie dauerhaft im Wasser stehen. Ein Topf mit Abzugsloch oder ein gut drainierter Boden im Beet sind Pflicht. Zurückschneiden kannst du sie jederzeit, das fördert sogar buschigeres Wachstum und damit mehr Blattmasse, die den Geruch produziert. Wer die Pflanze im Topf hält, kann sie flexibel umstellen, je nachdem wo gerade das Katzenproblem am größten ist. Praktisch, wenn die Katze ihre Route ändert.

Frost ist das Ende

Und hier kommt der Haken. Die Verpiss-Dich-Pflanze ist nicht winterhart. Null Grad und darunter bedeuten den sicheren Tod. In Deutschland heißt das: Ab Mitte Mai raus, spätestens im Oktober wieder rein. Wer sie überwintern will, stellt sie an einen hellen, kühlen Platz im Haus, bei etwa 10 bis 15 Grad. Im Winter wächst sie kaum und braucht nur wenig Wasser. Im Frühling treibt sie dann wieder aus und kann erneut nach draußen. Viele Leute behandeln sie allerdings als Einjährige und kaufen jedes Jahr neue. Bei Preisen zwischen drei und fünf Euro pro Pflanze ist das kein großes Investment. Wer sie selbst vermehren will, kann einfach Stecklinge schneiden. Die bewurzeln sich innerhalb von zwei Wochen in einem Glas Wasser. Einfacher geht es kaum.

Wie sie aussieht

Optisch ist die Verpiss-Dich-Pflanze kein Hingucker, aber auch kein Schandfleck. Sie wird etwa 30 bis 40 Zentimeter hoch, hat fleischige, leicht behaarte Blätter mit gezacktem Rand und bildet im Sommer kleine blau-violette Blüten. Die Blüten sind hübsch, aber unspektakulär. Insgesamt erinnert sie ein bisschen an eine Buntnessel, was kein Zufall ist, denn die beiden sind eng verwandt. Im Beet fällt sie nicht groß auf, was ein Vorteil ist. Niemand muss wissen, dass du eine Pflanze namens Verpiss-Dich im Garten stehen hast. Außer du willst darüber reden, und Hand aufs Herz, der Name ist einfach ein guter Gesprächsstarter auf jeder Gartenparty.

Alternativen, die ähnlich wirken sollen

Die Verpiss-Dich-Pflanze ist nicht die einzige Option, wenn du Tiere fernhalten willst. Lavendel, Rosmarin und Zitronenmelisse sollen ebenfalls abschreckend auf Katzen wirken. Die Wirkung ist ähnlich unsicher, aber zumindest bekommst du Kräuter, die du in der Küche verwenden kannst. Dornige Pflanzen wie Berberitzen oder Stachelbeeren machen Beete physisch unattraktiv für Katzen, die sich ungern auf Stacheln setzen. Kaffeesatz im Beet verteilt ist ein weiterer Hausmittel-Klassiker, der bei manchen Katzen funktioniert. Und dann gibt es noch Ultraschallgeräte mit Bewegungsmelder, die einen für Menschen unhörbaren Ton abgeben. Die funktionieren tatsächlich bei vielen Tieren, kosten aber mehr als ein paar Pflanzen. Am Ende ist eine Kombination aus mehreren Methoden meistens am effektivsten.

Die Sache mit dem Namen

Der Name Verpiss-Dich-Pflanze ist natürlich kein botanischer Fachbegriff, sondern ein Marketing-Geniestreich. Irgendwann hat ein cleverer Gärtner oder Händler gemerkt, dass sich eine Pflanze mit dem Namen Plectranthus caninus schlecht verkauft, aber eine Pflanze, die Verpiss-Dich-Pflanze heißt, geht weg wie warme Semmeln. Der Name verspricht eine klare Funktion, er ist lustig, provokant und bleibt im Kopf. Ob die Pflanze das Versprechen hält, steht auf einem anderen Blatt. Aber der Name allein hat sie zum Verkaufsschlager gemacht. In Gartencentern steht sie oft direkt am Eingang, gut sichtbar, mit einem großen Schild. Und die Leute greifen zu. Weil der Name einfach zu gut ist, um ihn im Regal stehen zu lassen.

Giftig oder harmlos

Für Menschen ist die Pflanze ungiftig. Du kannst sie anfassen, zurückschneiden und umtopfen, ohne dir Sorgen zu machen. Für Katzen und Hunde ist sie ebenfalls nicht giftig, was wichtig ist, falls dein eigenes Haustier mal daran knabbert. Die ätherischen Öle können bei empfindlichen Tieren leichte Magenreizungen verursachen, wenn sie größere Mengen fressen, aber das passiert in der Praxis selten. Kein Tier frisst freiwillig etwas, das so riecht. Für Kinder gilt das Gleiche: ungefährlich, aber nicht zum Essen gedacht. Wer kleine Kinder hat, muss sich also keine Gedanken machen. Die Pflanze ist harmlos, auch wenn ihr Name etwas anderes vermuten lässt.

Einen Versuch ist sie wert

Die Verpiss-Dich-Pflanze ist kein Wundermittel. Sie wird nicht jede Katze vertreiben, nicht jeden Hund abschrecken und schon gar keinen Marder stoppen. Aber sie ist günstig, pflegeleicht und im besten Fall tatsächlich wirksam. Wer ein Katzenproblem im Garten hat, verliert mit ein paar Pflanzen nicht viel und gewinnt vielleicht eine Menge. Und selbst wenn die Katze weiterhin durchs Beet stolziert, hast du zumindest eine Pflanze mit dem besten Namen der gesamten Botanik. Allein dafür lohnt sich die Anschaffung. Wenn dann noch jemand fragt, was das für eine Pflanze ist, kannst du mit ernster Miene antworten: Das ist eine Verpiss-Dich-Pflanze. Die Reaktion ist jedes Mal unbezahlbar.