Start2024-07-10T15:19:07+02:00

In Zeiten steigender Energiepreise suchen viele nach Alternativen zur klassischen Heizung. Im Internet kursieren Videos von Teelichtofen und anderen Kerzenheizungen. Die Idee klingt verlockend: Mit ein paar Kerzen den Raum erwärmen und dabei Heizkosten sparen. Doch funktioniert das wirklich? Die Physik liefert klare Antworten, und die sind ernüchternd. Trotzdem gibt es Situationen, in denen Kerzen einen kleinen Beitrag leisten können.

Wie viel Wärme erzeugt eine Kerze

Eine handelsübliche Kerze hat eine Heizleistung von etwa 30 bis 50 Watt. Das klingt erst einmal nach etwas. Zum Vergleich: Ein kleiner elektrischer Heizlüfter bringt 1000 bis 2000 Watt. Du bräuchtest also mindestens 20 bis 30 Kerzen, um die Leistung eines einzigen Heizlüfters zu erreichen. Ein normaler Heizkörper in einem Wohnraum liefert noch deutlich mehr. Die Rechnung zeigt schnell, dass Kerzen als Hauptwärmequelle vollkommen ungeeignet sind.

Der Mythos vom Teelichtofen

Im Internet wird der Teelichtofen als geniale Heizalternative angepriesen. Dabei werden mehrere Teelichter unter einen umgedrehten Tontopf gestellt. Der Topf speichert angeblich die Wärme und gibt sie gleichmäßig ab. Physikalisch gesehen ist das Unsinn. Der Tontopf erzeugt keine zusätzliche Energie. Er verteilt lediglich die Wärme der Kerzen etwas anders im Raum. Die Gesamtwärmemenge bleibt exakt gleich, egal ob mit oder ohne Topf.

Was der Teelichtofen wirklich macht

Der Tontopf hat einen psychologischen Effekt. Er wird warm und strahlt diese Wärme ab. Das fühlt sich angenehm an, wenn du direkt daneben sitzt. Die Wärme konzentriert sich auf einen Punkt statt sich sofort im ganzen Raum zu verteilen. Für die Raumtemperatur macht das keinen Unterschied. Der Topf ist kein Wärmeverstärker, sondern nur ein Wärmespeicher. Nach dem Löschen der Kerzen gibt er die gespeicherte Wärme noch eine Weile ab.

Die Kosten im Vergleich

Rechnen wir nach: Ein Teelicht kostet etwa 5 bis 10 Cent und brennt rund vier Stunden. Für die Wärmeleistung eines kleinen Heizlüfters bräuchtest du 20 Teelichter gleichzeitig. Das wären 1 bis 2 Euro für vier Stunden minimale Heizleistung. Gas oder Strom sind in den meisten Fällen deutlich günstiger. Selbst bei hohen Energiepreisen lohnt sich das Heizen mit Kerzen finanziell nicht. Du zahlst mehr und bekommst weniger Wärme.

Sicherheitsrisiken nicht unterschätzen

Viele brennende Kerzen in einem Raum sind ein erhebliches Brandrisiko. Teelichter können überhitzen und das flüssige Wachs entzünden. Beim Teelichtofen besteht zusätzlich die Gefahr, dass der Tontopf durch die Hitze reißt. Offene Flammen verbrauchen Sauerstoff und produzieren Kohlendioxid. In einem geschlossenen Raum kann das gefährlich werden. Regelmäßiges Lüften ist Pflicht, dabei geht aber wieder Wärme verloren.

Wann Kerzen trotzdem helfen können

In bestimmten Situationen haben Kerzen durchaus einen Nutzen. Bei einem Stromausfall im Winter können sie zumindest ein wenig Wärme spenden. In einem sehr kleinen Raum wie einem Badezimmer machen sich ein paar Kerzen bemerkbar. Auch als Ergänzung zur normalen Heizung können sie einen Raum etwas gemütlicher machen. Der psychologische Effekt von Kerzenlicht sollte nicht unterschätzt werden, es vermittelt Wärme und Behaglichkeit.

Die Physik kann nicht ausgetrickst werden

Energie kann nicht aus dem Nichts entstehen. Eine Kerze setzt beim Verbrennen eine bestimmte Menge Energie frei, nicht mehr und nicht weniger. Kein Tontopf, kein Metallgestell und keine andere Konstruktion kann diese Energiemenge erhöhen. Wer behauptet, mit einem Teelichtofen einen Raum heizen zu können, ignoriert grundlegende physikalische Gesetze. Die Wärme, die eine Kerze erzeugt, reicht einfach nicht aus.

Bessere Alternativen zum Energiesparen

Statt auf Kerzen zu setzen, gibt es effektivere Methoden zum Sparen. Dichte Fenster und Türen mit Isolierband oder Zugluftstoppern ab. Lege Teppiche auf kalte Böden. Nutze Vorhänge als zusätzliche Isolierung vor den Fenstern. Heize nur die Räume, die du wirklich nutzt. Zieh dich wärmer an, ein dicker Pullover spart mehr als jede Kerze. Diese Maßnahmen bringen echte Einsparungen ohne Brandgefahr.

Der Wohlfühlfaktor von Kerzen

Kerzen haben ihren Platz im Haushalt, aber nicht als Heizung. Sie schaffen Atmosphäre und sorgen für ein gemütliches Ambiente. Das warme Licht entspannt und kann einen Raum subjektiv wärmer wirken lassen. Gegen ein paar Kerzen am Abend ist nichts einzuwenden. Erwarte nur nicht, dass sie deine Heizkosten senken. Genieße sie als das, was sie sind: eine schöne Dekoration mit minimalem Wärmeeffekt.

Was bei Stromausfall wirklich hilft

Für echte Notfälle gibt es bessere Lösungen als Kerzen. Ein gasbetriebener Campingkocher kann einen kleinen Raum erwärmen, muss aber gut belüftet werden. Schlafsäcke und warme Decken halten die Körperwärme. Wärmflaschen speichern Wärme über Stunden. In einem Raum zusammenbleiben reduziert den Heizbedarf. Diese Maßnahmen sind bei einem längeren Stromausfall deutlich effektiver als jede Kerzenheizung.

Das ehrliche Urteil

Heizen mit Kerzen funktioniert nicht. Die Physik ist eindeutig und lässt keinen Spielraum für Wunschdenken. Wer glaubt, mit einem Teelichtofen seine Heizkosten zu senken, wird enttäuscht. Die Kosten für Kerzen übersteigen in den meisten Fällen die Ersparnis bei Gas oder Strom. Dazu kommen Sicherheitsrisiken durch offene Flammen. Kerzen sind schön anzusehen und schaffen Gemütlichkeit. Als Heizungsersatz taugen sie nicht.