Mikroplastik findet sich inzwischen fast überall auf der Welt. Die winzigen Kunststoffteilchen sind kleiner als fünf Millimeter und stammen aus verschiedenen Quellen. Reifenabrieb, Kosmetikprodukte und zerfallende Plastikverpackungen setzen sie frei. Über Luft, Regen und Abwasser gelangen die Partikel in die Umwelt. Auch im Trinkwasser wurden sie nachgewiesen. Das sorgt bei vielen Menschen für Verunsicherung. Die Frage liegt nahe, ob ein Filter für Leitungswasser sinnvoll ist.
Wie viel Mikroplastik steckt im Leitungswasser
Studien zeigen, dass Leitungswasser tatsächlich Mikroplastik enthalten kann. Die Mengen sind allerdings sehr gering. In Deutschland liegt die Belastung deutlich niedriger als in vielen anderen Ländern. Das liegt an den strengen Aufbereitungsverfahren der Wasserwerke. Laut Umweltbundesamt ist die Konzentration im deutschen Trinkwasser so niedrig, dass keine Gesundheitsgefahr besteht. Trotzdem ist die Forschung zu diesem Thema noch jung und viele Fragen sind offen.
Was die Wissenschaft bisher weiß
Die Auswirkungen von Mikroplastik auf die menschliche Gesundheit sind noch nicht abschließend erforscht. Bisherige Studien deuten darauf hin, dass die meisten Partikel den Körper einfach wieder verlassen. Sie sind zu groß, um in Zellen einzudringen. Kleinere Partikel im Nanometerbereich könnten theoretisch problematischer sein. Hier fehlen aber noch belastbare Langzeitstudien. Die Weltgesundheitsorganisation sieht derzeit keinen Anlass zur Sorge bei den üblichen Konzentrationen im Trinkwasser.
Welche Filter gibt es
Für den Hausgebrauch gibt es verschiedene Filtersysteme. Aktivkohlefilter sind weit verbreitet und relativ günstig. Sie entfernen Chlor und verbessern den Geschmack. Gegen Mikroplastik sind sie allerdings nur bedingt wirksam. Umkehrosmoseanlagen filtern deutlich gründlicher. Sie pressen das Wasser durch eine feine Membran und halten fast alle Fremdstoffe zurück. Auch Mikroplastik wird so entfernt. Diese Anlagen sind jedoch teurer in Anschaffung und Betrieb.
Aktivkohlefilter und ihre Grenzen
Aktivkohlefilter arbeiten mit porösem Kohlenstoff. Dieser bindet viele Schadstoffe durch Adsorption. Größere Mikroplastikpartikel können teilweise zurückgehalten werden. Sehr kleine Partikel passieren den Filter jedoch problemlos. Die Filterleistung hängt stark von der Qualität und dem Alter des Filters ab. Wird der Filter nicht regelmäßig gewechselt, können sich Bakterien ansiedeln. Das verschlechtert die Wasserqualität sogar. Für den gezielten Schutz vor Mikroplastik sind Aktivkohlefilter daher nur eingeschränkt geeignet.
Umkehrosmose als gründliche Lösung
Umkehrosmoseanlagen gelten als besonders effektiv. Die Membran hat so feine Poren, dass selbst kleinste Partikel nicht durchkommen. Neben Mikroplastik werden auch Bakterien, Viren und gelöste Stoffe entfernt. Das klingt zunächst positiv. Allerdings filtert die Anlage auch wichtige Mineralien wie Kalzium und Magnesium heraus. Das Wasser schmeckt dadurch anders und liefert weniger Nährstoffe. Außerdem entsteht bei der Filterung Abwasser. Für einen Liter Trinkwasser werden mehrere Liter Wasser verbraucht.
Die Kosten im Blick behalten
Ein einfacher Tischwasserfilter kostet zwischen zwanzig und fünfzig Euro. Die Filterkartuschen müssen regelmäßig ersetzt werden, was laufende Kosten verursacht. Umkehrosmoseanlagen für den Hausgebrauch beginnen bei etwa zweihundert Euro. Hochwertige Modelle kosten schnell mehrere hundert Euro. Dazu kommen Wartungskosten und der erhöhte Wasserverbrauch. Ob sich diese Investition lohnt, hängt von deinen persönlichen Prioritäten ab. Rein aus gesundheitlicher Sicht ist sie in Deutschland meist nicht notwendig.
Deutsches Trinkwasser ist gut kontrolliert
In Deutschland unterliegt Trinkwasser strengen Kontrollen. Die Trinkwasserverordnung legt Grenzwerte für zahlreiche Stoffe fest. Wasserwerke müssen regelmäßig Proben nehmen und analysieren. Die Aufbereitung erfolgt mit modernen Verfahren wie Filtration und Desinfektion. Dadurch gehört deutsches Leitungswasser zu den am besten überwachten Lebensmitteln überhaupt. Die Qualität ist in den meisten Regionen hervorragend. Einen speziellen Grenzwert für Mikroplastik gibt es allerdings noch nicht.
Wann ein Filter sinnvoll sein kann
In bestimmten Situationen kann ein Wasserfilter durchaus Sinn machen. Alte Wasserleitungen aus Blei oder Kupfer können das Wasser belasten. Hier hilft ein geeigneter Filter. Auch wer den Geschmack seines Leitungswassers verbessern möchte, profitiert von einem Aktivkohlefilter. Menschen mit geschwächtem Immunsystem könnten von zusätzlicher Filterung profitieren. Wer sich trotz der geringen Belastung unwohl fühlt, kann mit einem Filter für mehr Sicherheitsgefühl sorgen. Das ist eine persönliche Entscheidung.
Die Umwelt nicht vergessen
Wasserfilter haben auch eine ökologische Seite. Die Herstellung der Filter und Membranen verbraucht Ressourcen. Verbrauchte Filterkartuschen müssen entsorgt werden und landen oft im Restmüll. Umkehrosmoseanlagen verschwenden Wasser durch den Filterprozess. Gleichzeitig ist Leitungswasser ohne Filter die umweltfreundlichste Option. Es verursacht kaum CO2 und kommt ohne Verpackung aus. Wer aus Umweltgründen auf Plastikflaschen verzichtet, sollte auch den ökologischen Fußabdruck von Filtern bedenken.
Alternativen zur Filterung
Statt in teure Filter zu investieren, kannst du auch andere Maßnahmen ergreifen. Lass das Wasser morgens kurz laufen, bevor du es trinkst. So spülst du Standwasser aus den Leitungen. Verwende für Trinkwasser nur den Kaltwasserhahn. Warmwasser kann mehr Stoffe aus den Leitungen lösen. Informiere dich bei deinem lokalen Wasserversorger über die Wasserqualität. Viele Versorger veröffentlichen detaillierte Analysen. So weißt du genau, was in deinem Wasser steckt.
Eine Frage der persönlichen Abwägung
Die Filterung von Mikroplastik aus Leitungswasser ist in Deutschland meist nicht notwendig. Die Belastung ist gering und gesundheitliche Risiken sind nicht belegt. Hochwertige Filter können Mikroplastik zwar entfernen, sind aber teuer und aufwendig. Einfache Aktivkohlefilter bieten keinen zuverlässigen Schutz. Wer sich dennoch für einen Filter entscheidet, sollte auf Qualität achten und die Kartuschen regelmäßig wechseln. Letztlich ist es eine persönliche Entscheidung zwischen Sicherheitsgefühl, Kosten und Aufwand.
