Kleine runde Löcher im Holz und feines Sägemehl auf dem Boden sind keine guten Zeichen. Wenn du diese Spuren an deinen Möbeln oder Holzbalken entdeckst, hast du wahrscheinlich ungebetene Gäste im Haus. Holzwürmer können über Jahre hinweg unbemerkt Schaden anrichten und im schlimmsten Fall die Statik von Dachstühlen gefährden. Je früher du das Problem erkennst und handelst, desto besser stehen die Chancen, dein Holz zu retten.
Was genau sind Holzwürmer eigentlich?
Der Begriff Holzwurm ist etwas irreführend. Es handelt sich nämlich nicht um Würmer, sondern um die Larven verschiedener Käferarten. Der bekannteste Vertreter ist der Gemeine Nagekäfer, auch Anobium punctatum genannt. Die erwachsenen Käfer legen ihre Eier in Ritzen und Spalten von Holzoberflächen ab. Die geschlüpften Larven bohren sich dann ins Holz und fressen sich durch das Material. Dieser Prozess kann mehrere Jahre dauern, bevor die fertigen Käfer durch die typischen runden Löcher nach außen schlüpfen.
Woran du einen Befall erkennst
Die charakteristischen Ausfluglöcher sind das offensichtlichste Anzeichen für einen Holzwurmbefall. Sie haben einen Durchmesser von etwa ein bis zwei Millimetern und sind kreisrund. Unter den Löchern findest du oft feines, mehlartiges Bohrmehl. Frisches Bohrmehl ist hell und deutet auf einen aktiven Befall hin. Wenn das Mehl dunkel und verfärbt ist, könnte der Befall bereits älter und möglicherweise nicht mehr aktiv sein. Bei starkem Befall kannst du in ruhigen Momenten sogar ein leises Knabbern hören.
Welche Holzarten besonders gefährdet sind
Holzwürmer bevorzugen weiches Holz mit einem gewissen Feuchtigkeitsgehalt. Nadelhölzer wie Fichte, Kiefer und Tanne sind besonders anfällig. Auch das Splintholz von Laubhölzern wird gerne befallen. Harthölzer wie Eiche oder Buche sind weniger attraktiv für die Schädlinge, aber nicht vollständig immun. Besonders gefährdet sind Möbel und Balken in feuchten Räumen wie Kellern, Dachböden ohne ausreichende Belüftung oder alten Gebäuden mit aufsteigender Feuchtigkeit.
Hausmittel gegen Holzwürmer
Bei einem leichten Befall einzelner Möbelstücke kannst du zunächst Hausmittel ausprobieren. Eicheln enthalten Gerbstoffe, die Holzwürmer anlocken. Lege einige Eicheln auf das befallene Möbelstück und warte ab, ob die Larven in die Eicheln überwandern. Nach ein paar Wochen entsorgst du die Eicheln. Eine andere Methode ist das Bestreichen der Oberfläche mit einer Mischung aus Salz und Zwiebelsaft. Der Geruch soll die Käfer vertreiben. Diese Hausmittel funktionieren allerdings nur bei sehr geringem Befall und ersetzen keine professionelle Behandlung.
Hitzebehandlung als effektive Methode
Holzwürmer und ihre Larven überleben keine hohen Temperaturen. Ab etwa 55 Grad Celsius sterben sie zuverlässig ab. Kleine befallene Gegenstände kannst du im Sommer in einen schwarzen Plastiksack packen und mehrere Stunden in die pralle Sonne legen. Im Backofen funktioniert das ebenfalls, allerdings solltest du vorsichtig sein, um das Holz nicht zu beschädigen. Für größere Möbelstücke oder ganze Räume gibt es professionelle Wärmebehandlungen, bei denen Spezialisten den Raum auf die nötige Temperatur aufheizen.
Kälte als Alternative
Auch extreme Kälte tötet Holzwürmer ab. Bei Temperaturen unter minus 18 Grad Celsius sterben die Larven nach einigen Tagen. Kleine befallene Gegenstände kannst du in den Tiefkühler legen. Für größere Stücke bietet sich der Winter an, wenn du sie nach draußen stellen kannst. Die Kältebehandlung muss allerdings über mehrere Tage aufrechterhalten werden, um wirklich alle Larven zu erwischen. Achte darauf, dass das Holz nicht zu schnell wieder erwärmt wird, da sonst Risse entstehen können.
Chemische Bekämpfungsmittel
Im Handel findest du verschiedene chemische Mittel gegen Holzwürmer. Diese werden in die Bohrlöcher gespritzt oder auf die Oberfläche aufgetragen. Die Wirkstoffe dringen ins Holz ein und töten die Larven ab. Achte beim Kauf auf Produkte, die für den Innenbereich zugelassen sind. Trage bei der Anwendung Handschuhe und sorge für ausreichende Belüftung. Nach der Behandlung solltest du den Raum einige Zeit nicht nutzen. Bei wertvollen Antiquitäten oder großflächigem Befall ist es sinnvoller, einen Fachmann hinzuzuziehen.
Wann du einen Profi rufen solltest
Bei einem Befall tragender Holzkonstruktionen wie Dachstühlen oder Fachwerk solltest du nicht selbst experimentieren. Hier geht es um die Statik des Gebäudes. Ein Schädlingsbekämpfer oder Holzschutzexperte kann das Ausmaß des Befalls beurteilen und die richtige Behandlungsmethode wählen. Professionelle Begasungen mit speziellen Gasen erreichen auch Larven tief im Holz, die mit anderen Methoden nicht erreichbar wären. Die Kosten für eine professionelle Behandlung sind gut investiert, wenn es um wertvolle Möbel oder die Bausubstanz geht.
So beugst du einem Befall vor
Holzwürmer mögen Feuchtigkeit. Der wichtigste Schutz ist daher ein trockenes Raumklima. Lüfte regelmäßig und sorge dafür, dass die Luftfeuchtigkeit unter 60 Prozent bleibt. Behandle unbehandeltes Holz mit Lasuren, Lacken oder Ölen, um die Oberfläche zu versiegeln. Kontrolliere regelmäßig Dachböden, Keller und andere gefährdete Bereiche auf Anzeichen eines Befalls. Wenn du gebrauchte Möbel oder Antiquitäten kaufst, untersuche sie gründlich, bevor du sie ins Haus holst.
Befallenes Holz richtig entsorgen
Stark befallenes Holz, das nicht mehr zu retten ist, musst du richtig entsorgen. Verbrenne es wenn möglich oder bringe es zur Deponie. Lagere befallenes Holz nicht in der Nähe von gesundem Holz, da die Käfer sonst überwandern können. Auch Brennholzstapel in der Nähe des Hauses können eine Quelle für Holzwürmer sein. Halte einen gewissen Abstand zwischen gelagertem Brennholz und dem Gebäude ein.
Langfristiger Schutz für dein Holz
Nach einer erfolgreichen Behandlung solltest du das Holz dauerhaft schützen. Trage eine Holzschutzlasur oder einen Lack auf, um neue Eiablagen zu verhindern. Kontrolliere die behandelten Stellen in den folgenden Jahren regelmäßig auf neue Bohrlöcher. Frisches Bohrmehl wäre ein Zeichen dafür, dass nicht alle Larven erwischt wurden. Mit der richtigen Pflege und Aufmerksamkeit kannst du deine Holzmöbel und Balken über Generationen hinweg erhalten.