Wenn der Blauregen einfach nicht blühen will

Der Blauregen gehört zu den spektakulärsten Kletterpflanzen überhaupt. Seine langen, herabhängenden Blütentrauben in Violett, Blau oder Weiß sind ein echter Hingucker. Umso frustrierender ist es, wenn die Pflanze Jahr für Jahr nur grüne Blätter produziert und die ersehnte Blütenpracht ausbleibt. Die Gründe dafür können vielfältig sein. Mit etwas Geduld und den richtigen Maßnahmen bringst du deinen Blauregen aber zum Blühen.

Das Alter der Pflanze spielt eine große Rolle

Blauregen braucht Zeit, bis er zum ersten Mal blüht. Aus Samen gezogene Pflanzen können bis zu 15 Jahre oder sogar länger brauchen, bevor sie Blüten ansetzen. Das ist einer der häufigsten Gründe für ausbleibende Blüten. Veredelte Pflanzen aus der Baumschule blühen deutlich früher, oft schon nach drei bis fünf Jahren. Wenn du einen jungen Blauregen hast, ist Geduld gefragt. Manchmal muss die Pflanze einfach erst eine gewisse Reife erreichen.

Der falsche Standort verhindert die Blüte

Blauregen liebt die Sonne. An einem schattigen Standort wird er zwar wachsen, aber kaum oder gar nicht blühen. Die Pflanze braucht mindestens sechs Stunden direkte Sonneneinstrahlung pro Tag. Ein Platz an einer südlich oder westlich ausgerichteten Hauswand ist ideal. Dort bekommt der Blauregen nicht nur genug Licht, sondern profitiert auch von der Wärme, die die Wand abstrahlt. Prüfe also, ob dein Blauregen wirklich sonnig genug steht.

Zu viel Stickstoff im Boden

Ein häufiger Fehler ist das Düngen mit stickstoffreichem Dünger. Stickstoff fördert das Blattwachstum auf Kosten der Blütenbildung. Der Blauregen schießt dann ins Kraut und bildet lange grüne Triebe, aber keine Blüten. Verzichte auf stickstoffbetonte Dünger und greife stattdessen zu einem phosphorbetonten Produkt. Phosphor unterstützt die Blütenbildung. Auch Kompost oder gut abgelagerter Mist können zu viel Stickstoff liefern, wenn du sie großzügig einsetzt.

Der richtige Schnitt ist entscheidend

Blauregen bildet seine Blütenknospen am kurzen Holz. Ohne regelmäßigen Schnitt wächst die Pflanze wild und bildet hauptsächlich lange Triebe ohne Blütenansätze. Der Schnitt erfolgt zweimal im Jahr. Im Sommer, etwa sechs bis acht Wochen nach der Blüte, kürzt du die neuen Triebe auf etwa 15 bis 20 Zentimeter ein. Im Winter schneidest du diese Triebe nochmals zurück auf zwei bis drei Knospen. Dieser konsequente Rückschnitt fördert die Bildung von Blütenknospen.

Spätfrost kann die Knospen zerstören

Blauregen treibt relativ früh im Jahr aus. Die Blütenknospen sind empfindlich gegenüber Spätfrösten. Eine einzige kalte Nacht im April oder Mai kann die gesamte Blüte vernichten. Die Pflanze selbst nimmt dabei keinen Schaden, aber die Blüten fallen aus. In frostgefährdeten Lagen kannst du den Blauregen mit Vlies schützen, wenn Spätfröste angekündigt sind. Auch ein geschützter Standort an einer Hauswand bietet einen gewissen Schutz.

Wassermangel im Vorjahr

Die Blütenknospen für das kommende Jahr werden bereits im Sommer des Vorjahres angelegt. Wenn der Blauregen in dieser Zeit unter Trockenstress leidet, bildet er weniger oder gar keine Knospen. Achte darauf, dass die Pflanze besonders in heißen und trockenen Sommern ausreichend Wasser bekommt. Einmal pro Woche gründlich wässern ist besser als täglich ein bisschen. Der Boden sollte tiefgründig feucht sein, damit die Wurzeln gut versorgt werden.

Wurzelkonkurrenz durch andere Pflanzen

Blauregen hat ein ausgedehntes Wurzelsystem und mag keine starke Konkurrenz. Wenn andere Gehölze oder Sträucher in unmittelbarer Nähe wachsen, kann das die Blühfreudigkeit beeinträchtigen. Auch eine dichte Unterpflanzung mit Stauden kann problematisch sein. Halte den Wurzelbereich möglichst frei und entferne konkurrierende Pflanzen. Eine Mulchschicht aus Rindenmulch oder Laub hält den Boden feucht und unterdrückt Unkraut.

Wurzelschnitt als letztes Mittel

Wenn alle anderen Maßnahmen nicht helfen, kannst du einen Wurzelschnitt versuchen. Dabei stichst du im Herbst mit einem scharfen Spaten etwa 50 Zentimeter vom Stamm entfernt in den Boden und durchtrennst einen Teil der Wurzeln. Das versetzt die Pflanze in leichten Stress und kann die Blütenbildung anregen. Diese Methode solltest du aber nur bei älteren, etablierten Pflanzen anwenden und nicht übertreiben.

Die richtige Sorte wählen

Nicht alle Blauregen sind gleich blühfreudig. Die chinesische Wisteria sinensis gilt als etwas blühwilliger als die japanische Wisteria floribunda. Besonders empfehlenswert sind veredelte Sorten wie Prolific oder Amethyst, die für ihre reiche Blüte bekannt sind. Wenn du einen neuen Blauregen kaufst, achte auf eine veredelte Pflanze aus einer guten Baumschule. Frag nach, ob die Pflanze bereits geblüht hat.

Mit Geduld und Pflege zur Blütenpracht

Ein nicht blühender Blauregen ist frustrierend, aber in den meisten Fällen lässt sich das Problem lösen. Überprüfe den Standort, passe die Düngung an und schneide regelmäßig. Schütze die Knospen vor Spätfrost und sorge für ausreichend Wasser im Sommer. Manchmal braucht es einfach etwas Zeit und Geduld. Wenn du diese Tipps beherzigst, wirst du deinen Blauregen früher oder später in voller Blüte erleben können.

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