Was passiert wirklich im Körper, wenn wir destilliertes Wasser trinken?
Du hast bestimmt schon mal gehört, dass destilliertes Wasser gefährlich sein soll. Vielleicht hat dir dein Chemielehrer davon erzählt oder deine Eltern haben dich davor gewarnt. Aber was passiert eigentlich wirklich, wenn du es trinkst? Die gute Nachricht vorweg: So dramatisch wie oft behauptet ist es nicht.
Wenn du destilliertes Wasser zu dir nimmst, gelangt es zunächst in deinen Magen. Dort trifft es auf Magensäure und verschiedene Verdauungssäfte. Diese enthalten bereits zahlreiche Mineralien und Elektrolyte. Das bedeutet, dass das reine destillierte Wasser sich sofort mit diesen Stoffen vermischt. Es kommt also gar nicht in seiner ursprünglichen Form mit deinen Magenzellen in Kontakt. Dein Körper ist schlauer als du vielleicht denkst.
Der berühmte Mythos vom Zellenplatzen
Die bekannteste Warnung lautet: Destilliertes Wasser lässt deine Zellen platzen. Das klingt ziemlich erschreckend. Die Erklärung dahinter basiert auf dem Prinzip der Osmose. Bei diesem natürlichen Vorgang versuchen Zellen, ein Gleichgewicht zwischen ihrem Inneren und ihrer Umgebung herzustellen.
In deinen Zellen befinden sich Salze, Zucker und andere gelöste Teilchen. Destilliertes Wasser enthält dagegen keine dieser Stoffe. Es ist komplett rein. Theoretisch würde die Zelle nun versuchen, dieses Ungleichgewicht auszugleichen. Sie würde Wasser aufnehmen. Immer mehr davon. Bis sie irgendwann platzt. Bei vielen Zellen gleichzeitig könnte das sogar zu einer Magenblutung führen. So zumindest die Theorie.
Warum du dir keine Sorgen machen musst
In der Praxis funktioniert das zum Glück anders. Dein Magen ist kein leerer Behälter. Er enthält ständig Flüssigkeiten und Substanzen. Selbst wenn du auf nüchternen Magen trinkst, produziert dein Körper sofort Verdauungssäfte. Diese reichern das destillierte Wasser mit Mineralien an. Der direkte Kontakt zwischen reinem destilliertem Wasser und deinen Magenzellen findet praktisch nicht statt.
Außerdem ist dein Körper an Schwankungen gewöhnt. Auch normales Leitungswasser oder Mineralwasser hat unterschiedliche Mineraliengehalte. Dein Organismus kann damit umgehen. Ein Glas destilliertes Wasser wird dir also nicht schaden.
Trotzdem kein Ersatz für normales Trinkwasser
Auch wenn destilliertes Wasser nicht sofort gefährlich ist, solltest du es nicht dauerhaft trinken. Der Grund ist einfach: Es enthält keine Mineralien. Kein Calcium, kein Magnesium, kein Natrium. Diese Stoffe braucht dein Körper aber täglich.
Wenn du über längere Zeit nur demineralisiertes Wasser trinkst, kann das zu einem Mineralstoffmangel führen. Deine Zellen würden nach und nach wichtige Elektrolyte verlieren. Das kann verschiedene Beschwerden verursachen. Müdigkeit, Muskelkrämpfe oder Konzentrationsprobleme sind mögliche Folgen. Für den gelegentlichen Schluck ist das kein Problem. Als tägliches Getränk eignet sich gereinigtes Wasser ohne Mineralien aber nicht.
Was du mitnehmen kannst
Die Angst vor destilliertem Wasser ist also größtenteils unbegründet. Der Mythos vom Zellenplatzen hält sich hartnäckig, entspricht aber nicht der Realität. Dein Körper hat genügend Schutzmechanismen. Ein versehentlicher Schluck aus der falschen Flasche ist kein Grund zur Panik.
Dennoch macht es Sinn, bei normalem Trinkwasser zu bleiben. Es versorgt dich mit wichtigen Mineralstoffen und schmeckt meistens auch besser. Destilliertes Wasser hat seinen Platz im Bügeleisen oder in der Autobatterie. Für deinen täglichen Flüssigkeitsbedarf greifst du besser zu Leitungswasser oder Mineralwasser. So bleibst du gesund und gut versorgt.