Warum diese Frage im Winter aufkommt
Viele Besitzer eines Balkonkraftwerks fragen sich in der dunklen Jahreszeit, ob sich der Weiterbetrieb überhaupt lohnt. Die Tage sind kurz und die Sonne steht tief. Graue Wolken und Nebel sorgen zusätzlich für weniger Licht. Da liegt der Gedanke nahe, die kleine Solaranlage einfach abzuschalten und im Frühjahr wieder in Betrieb zu nehmen. Doch ist das wirklich sinnvoll? Die Antwort ist eindeutig: Lass dein Balkonkraftwerk auch im Winter laufen.
Auch im Winter wird Strom erzeugt
Selbst bei bedecktem Himmel produzieren Solarmodule Strom. Die Leistung ist zwar geringer als im Sommer, aber sie ist vorhanden. An klaren Wintertagen mit Sonnenschein kann die Ausbeute sogar überraschend gut sein. Kalte Temperaturen verbessern den Wirkungsgrad der Module. Solarzellen arbeiten bei niedrigen Temperaturen effizienter als bei großer Hitze. Ein sonniger Wintertag kann daher durchaus ordentliche Erträge bringen.
Was du im Winter realistisch erwarten kannst
Die Erträge im Winter liegen deutlich unter denen der Sommermonate. Als grobe Orientierung kannst du mit etwa 10 bis 20 Prozent der Sommerleistung rechnen. Bei einem 600-Watt-Balkonkraftwerk sind das an guten Wintertagen vielleicht 50 bis 100 Wattstunden am Tag. Das klingt wenig, summiert sich aber über die Wintermonate. Jede Kilowattstunde, die du selbst erzeugst, musst du nicht teuer vom Energieversorger kaufen.
Warum Abschalten keinen Sinn macht
Das Abschalten bringt dir keinen Vorteil. Die Module verbrauchen im Betrieb keinen Strom und nutzen sich nicht ab. Es gibt keine Verschleißteile, die durch den Winterbetrieb leiden würden. Im Gegenteil: Regelmäßiger Betrieb hält die Elektronik in Schwung. Der Wechselrichter ist für den Dauerbetrieb ausgelegt und nimmt keinen Schaden. Außerdem verpasst du jeden sonnigen Wintertag, an dem du kostenlosen Strom hättest ernten können.
Schnee auf den Modulen
Schnee kann die Stromerzeugung vorübergehend komplett blockieren. Eine geschlossene Schneedecke auf den Modulen lässt kein Licht durch. Allerdings rutscht der Schnee bei schrägstehenden Modulen oft von selbst ab. Die dunkle Oberfläche erwärmt sich bei Sonneneinstrahlung und beschleunigt das Abtauen. Du kannst den Schnee auch vorsichtig mit einem weichen Besen entfernen. Verwende keine scharfen Gegenstände, um Kratzer auf den Modulen zu vermeiden.
Der richtige Neigungswinkel im Winter
Im Winter steht die Sonne deutlich tiefer als im Sommer. Ein steilerer Neigungswinkel der Module kann die Ausbeute verbessern. Optimal wären im Winter etwa 60 bis 70 Grad. Viele Balkonkraftwerke lassen sich in der Neigung verstellen. Wenn du diese Möglichkeit hast, nutze sie. Ein steilerer Winkel hat noch einen weiteren Vorteil: Schnee rutscht leichter ab und bleibt nicht auf den Modulen liegen.
Standby-Verbrauch des Wechselrichters
Manche Besitzer sorgen sich um den Standby-Verbrauch des Wechselrichters in dunklen Stunden. Dieser Verbrauch ist bei modernen Geräten minimal. Er liegt typischerweise bei weniger als einem Watt. Selbst wenn der Wechselrichter die ganze Nacht im Standby läuft, verbraucht er kaum Strom. Der Ertrag an einem einzigen sonnigen Wintertag übersteigt den Standby-Verbrauch mehrerer Wochen bei Weitem.
Frost und Kälte schaden nicht
Balkonkraftwerke sind für den Außeneinsatz konzipiert. Die Module und Wechselrichter sind wetterfest und halten Frost problemlos aus. Temperaturen bis minus 20 Grad oder noch tiefer stellen kein Problem dar. Die Hersteller testen ihre Geräte unter extremen Bedingungen. Du musst dir also keine Sorgen machen, dass die Kälte deiner Anlage schadet. Im Gegenteil: Wie bereits erwähnt, arbeiten die Solarzellen bei Kälte sogar effizienter.
Regelmäßige Kontrolle im Winter
Auch wenn du dein Balkonkraftwerk einfach laufen lassen kannst, schadet ein gelegentlicher Blick nicht. Kontrolliere nach Stürmen, ob die Befestigung noch fest sitzt. Prüfe, ob sich Laub oder Schmutz auf den Modulen angesammelt hat. Ein kurzer Check alle paar Wochen reicht völlig aus. So stellst du sicher, dass deine Anlage auch im Winter optimal arbeitet und du keinen Ertrag verschenkst.
Die Erträge im Blick behalten
Viele Wechselrichter lassen sich per App überwachen. Nutze diese Möglichkeit, um deine Wintererträge zu verfolgen. So bekommst du ein Gefühl dafür, wie viel Strom dein Balkonkraftwerk auch in der dunklen Jahreszeit liefert. Die Daten helfen dir auch dabei, Probleme frühzeitig zu erkennen. Wenn die Erträge plötzlich auf null fallen, könnte Schnee auf den Modulen liegen oder ein technisches Problem vorliegen.
Dein Balkonkraftwerk arbeitet das ganze Jahr
Die klare Empfehlung lautet: Lass dein Balkonkraftwerk auch im Winter einfach laufen. Es gibt keinen Grund zum Abschalten. Die Anlage nimmt keinen Schaden und produziert auch bei weniger Sonnenstunden wertvollen Strom. Jede selbst erzeugte Kilowattstunde spart bares Geld. Mit dem richtigen Neigungswinkel und gelegentlicher Schneeräumung holst du auch im Winter das Maximum aus deiner kleinen Solaranlage heraus.